LIEBE KOLLEGINNEN UND KOLLEGEN,
SEHR GEEHRTE DAMEN UND HERREN,
DIE ZEIT IST REIF ZUM HANDELN!
 
Jeder zweite Mensch in Deutschland erkrankt irgendwann in seinem Leben an Krebs. Diese gewaltige gesellschaftliche und medizinische Herausforderung, die die Hälfte von uns betrifft und ein Viertel von uns frühzeitig sterben lässt, versuchen wir mit einem Fünfzehntel unserer Gesundheitsaufwendungen zu bekämpfen. Von diesen ca. 6,5 Prozent der Ausgaben stecken wir bisher so gut wie nichts in Prävention, relativ wenig in die Frühdiagnostik und den Löwenanteil in die Behandlung von Krebspatienten.
Würden wir genauso denken und handeln, wenn jeder zweite Deutsche im Laufe seines Lebens bei einem Verkehrsunfall verletzt oder gar getötet würde oder gäbe es dann einen Aufschrei?

Offensichtlich besteht das Problem darin, dass Krebserkrankungen und das Sterben an Krebs in der Abgeschiedenheit von Kliniken und Hospizen stattfinden. Man stelle sich vor, wir würden für jeden Todesfall durch Krebs ein Kreuz an einer deutschen Autobahn aufstellen, dann stände allein für das Jahr 2020 alle 57 Meter ein Kreuz – für jeden weithin sichtbar!
Mit „Vision Zero“ haben wir eine breite Initiative aus Wissenschaft und Forschung, medizinischen Fachgesellschaften und Verbänden, Stiftungen, Medien und Industrie ins Leben gerufen, um dem Ziel, dass niemand mehr an Krebs sterben muss, so nahe wie möglich zu kommen.

Warum fehlt es bisher an wirklicher Entschlossenheit in Sachen Krebsbekämpfung? Was müssen wir mutig anpacken? Wir denken über Krebs noch immer wie früher über den Straßenverkehr, als Verletzte und Tote im Straßenverkehr als eine Art „Blutzoll des Fortschritts“ galten. Wer im Verkehr zu Schaden kam, war „selber schuld“.

Die Vision Zero für den Straßenverkehr, die vor rund 30 Jahren in Schweden ihren Anfang nahm, geht von der Prämisse aus, dass Menschen nicht immer fehlerfrei handeln, versucht aber Rahmenbedingungen und Systeme so zu ändern, dass diese Fehler niemanden bedrohen: Heute gibt es eine Gurtpflicht für Autofahrer, eine Helmpflicht für Motorradfahrer, ABS, Airbags etc.
 
 
Wenn es an einer Kreuzung zu Schwerverletzten oder Toten kommt, dann wird das untersucht und stattdessen ein Kreisverkehr gebaut, wodurch weniger schwere Unfälle entstehen. Wenn immer wieder Menschen sterben, weil sie auf die Gegenfahrbahn geraten, dann muss man die Fahrbahnen stärker trennen etc. Diese Rigorosität des Handelns müssen wir auf die Krebsbekämpfung übertragen. Anstatt vom Menschen Perfektion und Anpassung an ein wenig perfektes System zu verlangen, brauchen wir ein System, das menschliche Verhaltensweisen antizipiert und toleriert.

Nach unserem heutigen Kenntnisstand könnten bis zur Hälfte aller Krebserkrankungen durch Prävention und Früherkennung vermieden werden. Aber wir tun nicht das, was wir tun könnten bzw. tun müssten! Für ca. 5 bis 10% der Krebserkrankungen kennen wir die genetischen Faktoren; das Potenzial ist jedoch wesentlich größer. Das heißt, der Lebensstil und die Umwelt spielen eine zentrale Rolle. Es geht aber nicht nur um diese äußeren Einflussfaktoren. Die Frage ist auch: Wie viel können wir Mediziner beitragen? Wenn es ein gewisses Grundrisiko für eine Erkrankung gibt, dann sollten wir die Diagnostik so gestalten, dass wir das Krebsgeschehen so früh wie möglich erkennen und analysieren.

„Vision Zero“ heißt, wir müssen jeden einzelnen Stein umdrehen und alles anschauen: den Lebensstil, die Präventionsangebote, die (frühe) Diagnostik, die Therapie, die Ursachenforschung, den Studienstandort Deutschland. Wir brauchen auch rasch eine digitale Erfassung und Vernetzung der Daten, so dass jeder Arzt und Patient erfahren und verstehen kann, wie die letzten zehn Fälle gleicher Art behandelt worden sind. Krebserkrankungen sind molekular hochkomplex. Deshalb brauchen wir die Daten aus der Routinebehandlung für die Fortentwicklung und Qualitätsverbesserung von Therapien.

Was könnte Vision Zero in zehn Jahren erreichen? „Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen.“, um Karl Valentin zu zitieren. Aber: Wir dürfen nicht aufgeben und sollten unser ambitioniertes Ziel immer im Blick behalten. Deshalb setzen wir uns mit allem Nachdruck für „Vision Zero“ in der Onkologie ein.

Mit herzlichen Grüßen
Ihre wissenschaftliche Kongressleitung
 
 
Prof. Dr. Michael von Bergwelt
Dr. Christa Maar
Dr. Christa Maar
Felix Burda Stiftung und
Netzwerk gegen Darmkrebs e. V., München

Prof. Dr. Christof von Kalle
Prof. Dr. Christof von Kalle
Prof. Dr. Christof von Kalle
BIH - Berliner Institut für Gesundheitsforschung
Charité Berlin

Prof. Dr. Michael von Bergwelt
Prof. Dr. Michael von Bergwelt
Prof. Dr. Michael von Bergwelt
LMU München

 
 
Prof. Dr. Michael Hallek
Prof. Dr. Michael Hallek
Prof. Dr. Michael Hallek
Universitätsklinikum Köln


Prof. Dr. Diana Lüftner
Prof. Dr. Diana Lüftner
Prof. Dr. Diana Lüftner
Charité Berlin
 
 
SCIENTIFIC BOARD
 
Prof. Dr. P. Bader, Frankfurt a.M.
Prof. Dr. C. Baldus, Kiel
Prof. Dr. M. Baumann, Heidelberg
Prof. Dr. S. Benz, Böblingen
Prof. Dr. C. Bokemeyer, Hamburg
Prof. Dr. P. Borchmann, Heidelberg
Prof. Dr. H. Brenner, Heidelberg
Dr. J. Bruns, Berlin
Prof. Dr. L. Bullinger, Berlin
Prof. Dr. R. Eils, Berlin
Prof. Dr. P. Fasching, Erlangen
Prof. Dr. S. Fröhling, Heidelberg
Prof. Dr. H. Goldschmidt, Heidelberg
Prof. Dr. N. Harbeck, München
Prof. Dr. A. Hochhaus, Jena
Prof. Dr. A. Katalinic, Lübeck
Prof. Dr. U. Keilholz, Berlin
 
 
Prof. Dr. T. Klingebiel, Frankfurt a. M.
Prof. Dr. W. Knauf, Frankfurt a. M.
Prof. Dr. F. Kolligs, Berlin
Prof. Dr. C. Lengerke, Basel
Prof. Dr. F. Lordick, Leipzig
Prof. Dr. O. Ortmann, Regensburg
Prof. Dr. K. Pantel, Hamburg
Prof. Dr. B. Schmalfeldt, Hamburg
Prof. Dr. T. Seufferlein, Ulm
Prof. Dr. J.R. Siewert, München
Prof. Dr. S. Stintzing, Berlin
Prof. Dr. L. Trümper, Göttingen
Prof. Dr. N. Ulrich, Salt Lake City
Prof. Dr. O. Wiestler, Berlin
Prof. Dr. M. de Wit, Berlin
Prof. Dr. B. Wörmann, Berlin
Prof. Dr. S. Zeißig, Dresden
 
 
VERANSTALTER
 

Das 6. Interdisziplinäre Symposium Vision Zero Die Neuvermessung der Onkologie wird vom Netzwerk gegen Darmkrebs e.V., München veranstaltet.

Kongressleitung:
Dr. Georg Ralle
Generalsekretär Netzwerk gegen Darmkrebs e.V.
Kontakt

Das Symposium findet unter der Schirmherrschaft der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin und in Kooperation mit der Charité Universitätsmedizin Berlin, der Uniklinik Köln, der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie, dem Deutschen Krebsforschungszentrum dkfz, der Deutschen Krebsgesellschaft, dem Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen NCT Heidelberg, dem Bundesverband der niedergelassenen Onkologen bng, dem Bundesverband der niedergelassenen Hämatologen und Onkologen BNHO, der Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs, der Felix Burda Stiftung und BILD statt.